Wenn Profis über Ehrenamt reden …

wachtveitlvogelHeute wurde ich im Bayrischen Landtag von Profis interviewt, und die gute Frau wollte unbedingt wissen, warum ich mich ehrenamtlich engagiere.

Ich versuchte ihr zu erklären, dass wir ein Bürgerradio machen, aber sie wollte eine Antwort zum Ehrenamt.

Nun ist mir klarer, da hierzulande kaum jemand die Bürgerradios aus den anderen Bundesländern kennt, und nicht deren Verfassungs-Auftrag, dass ich nicht verstanden werden konnte:

In den meisten anderen Bundesländern werden Bürgerradios als Initiativen und Projekte von den Ländern gefördert oder sogar unterhalten, während Bayern damals die Devise hatte, Privatradios sind ein Geschäft der Presse-Amigos und bringen durch Werbung auch noch Geld ein.

wachtveitlloraAls Feigenblatt bekamen Radio Z in Nürnberg und Radio Lora München 92,4 ein paar Stunden (in München) auf der gemeinsamen Frequenz mit einem konservativen Kirchensender, der die Hörenden mit Rosenkranz-Beten begrüßt.

Die Landesmedienzentrale schreibt dann noch ein paar Projekte aus, die als Zuckerl die Arbeit versüßen können, forderten aber für das Betreiben eine komplizierte Struktur von GmbH und Gesellschaft, die Kosten für Mieten und Übertragung haben aber die Hörenden über den Förderverein und Spenden selber zu tragen.

Eine neue Initiative für mehr Bürgerradio-Förderung, eine Petition an den Landtag, wurde abgewiesen, aber jetzt bekamen wir zum Trost den Bayrischen Bürgerpreis 2016 3. Klasse, als Ermutigung zu verstehen, nicht nachzulassen?

burgerpreis

Dass im System des Lohndumping die Ehrenamtlichkeit als Einstufung beim nachbarschaftlichen Diletantismus oder als „gut gemeint“ eingeordnet wird, macht ein demokratisch denkendes Bürgerradio, bei dem Anliegen und Nachbarschaften, Ideen und Entwicklungen qualifiziert und präsentiert werden können, erst mal undenkbar.

Geld verdienen, das geht mit Werbung, mit verkaufen, oder öffentlich rechtlich? Ehrenamt, das ist die Feuerwehr in der Kleinstadt? Die Nachbarschaftshilfe und das Kirchenputzen, die Vorstandschaft für die alten Herren?

Selbstorganisation und Selbsthilfe sprechen längst eine andere Sprache, aber die ist in den oberen Ebenen noch nicht angekommen. Wird Zeit, mehr über die anderen Bürgerradios zu berichten!

Erweitert auf http://www.fairmuenchen.de/bürgerradio-im-ehrenamt

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